Begrenzung als Burnoutprophylaxe

„Manchmal“, so berichtet eine Klientin, „habe ich am Ende des Tages das Gefühl, nichts geschafft zu haben. Obwohl ich weiß, dass ich viele Dinge erledigt habe, verleiden mir die liegengebliebenen Aufgaben meinen Feierabend. Ständig denke ich, ich bin nicht schnell genug, und sehe nur, wie gut sich andere organisieren können. Ich weiß nicht, was ich noch optimieren kann, jede Sekunde des Tages ist bereits verplant.“

Gehören Sie auch zu jenen Menschen, die stets das Beste aus dem Tag holen möchten?

Von Zeit zu Zeit wachsen uns die Anforderungen des Alltags über den Kopf. Oft übernimmt dann der innere Antreiber das Ruder, in der Absicht, das Chaos abwenden zu wollen. Er fordert noch mehr Einsatz von uns, überprüft unsere Effizienz und bemängelt am Abend, was es noch zu verbessern gilt. Der Antreiber sorgt dafür, dass wir Energien mobilisieren, über uns hinauswachsen und uns aus unserer Komfort-Zone bewegen. Allerdings braucht er hin und wieder ein Korrektiv. In der Schneller-Höher-Weiter-Ära passiert es schnell, dass er sich an hoch gesteckten Ansprüchen orientiert, die unseren Kapazitäten nicht entsprechen. In unseren Köpfen ist theoretisch viel denkbar. Auch am Zeitplan lässt sich immer etwas drehen, um noch mehr leisten zu können.

Anerkennen der eigenen Belastbarkeitsgrenze

Was wir dabei nur allzu schnell vergessen ist, dass die menschliche Psyche keine Batterie ist, die sich über Nacht einfach so aufläden lässt und am nächsten Tag wieder voll funktionsfähig ist. Es gibt Nächte, die weniger erholsam sind. Es gibt Tage, an denen alles anders läuft, als gedacht. Es gibt täglich Vorkommnisse, die Zeit brauchen, um verarbeitet zu werden. Und Geist, Körper und Psyche brauchen neben alledem Zeit, sich spüren zu können. Es braucht Zeit zum Innehalten, um innere Impulse wahrzunehmen. Erst, wenn der Raum da ist, mit uns, unseren Wünschen, Sehnsüchten, mit unserer kindlich-humorvollen Seite in Kontakt zu sein, können wir aufladen. Reine Schlafenszeit schafft das nicht. Es liegt in unserer Verantwortung, die Verbindung mit uns selbst zu pflegen.

Erledigte Aufgaben würdigen

Anstatt zu fragen, wo wir optimieren können, lasst uns einmal kräftig „STOPP!“ sagen. All die Gedanken daran, was noch alles Getan werden muss, helfen jetzt nicht weiter. Wir widmen uns dieser einen Sache, die im Moment „dran ist“. Mehr geht nicht. Wenn wir sie geschafft haben, lasst uns darüber freuen. Es ist nicht fair uns selbst gegenüber, dem Abschließen einer Aufgabe mit den Worten zu begegnen: Naja, das hat mich jetzt aber Zeit gekostet, die ich woanders hätte einbringen können. „STO-HO-PP!“ Wir haben gerade eben etwas geschafft!  Egal wie groß oder klein. Die ToDo-Liste wird im übrigen nie leer sein. Welch Erkenntnis!

Daher lautet die alles entscheidende Frage: Wollen wir den Rest unseres Lebens mit dem Hinterherlaufen verbringen, oder stellen wir nun endlich unsere eigenen Regeln auf?

Erwartungen an sich selbst realistisch gestalten

Die Liste wird also immer voll sein. Es wird immer etwas zu tun geben. Also, noch einmal: Das, was heute geschafft wird, verdient Respekt. Hierzu zählen auch Laufwege, Familienpflichten, Haushaltsgedöns. Das alles wuppen wir tagtäglich. Wenn wir merken, dass wir uns selbst überfordern, müssen uns in unserer Vorstellung dessen, was wir zu schaffen glauben, begrenzen. Wenn wir am Ende des Tages Aufgaben nicht erledigt haben, dann, ja dann gingen diese wohl über unsere heutige Grenze.

Die Akzeptanz unserer Belastbarkeitsgrenze ist der Schlüssel.

Unser innerer Antreiber braucht eine Gegenstimme, die ihm ab und zu diese Grenze aufzeigt. Jedes Mal, wenn wir uns gehetzt fühlen, dann wissen wir nun, was zu tun ist. Machen wir uns auf den Weg, uns wieder mit uns und unseren natürlichen Grenzen zu verbinden. Und fangen wir an unsere Grenzen zu lieben. Im Gegensatz zu den Antreibern gehören sie zu jenem Anteil, der auf uns aufpasst.